MISCH-MASCH (oder über Geheimbotschaften, unbezahlte Rechnungen, uralte Smartphones und Orte, an denen die Liebe wohnt …)

Diese Überschrift wähle ich, weil ich soeben aus Croatien zurück komme, wo es in Istrien ein Getränk gibt, das seit den 70ern gleichbleibend MISCHMASCH heißt. Es ist eine Mischung aus Rotwein und Orangeade, die sich nicht miteinander vermengt und herrlich Dunkelrot und Gelborange – streng getrennt – im Glas schwebt. Es sei denn, man rührt um. Dann ist’s mit der Herrlichkeit vorbei. Und da sich in mir heute – nach fünf Tagen ohne Schreiben – so viel Gedankliches und Emotionales angesammelt hat, dass ich nicht weiß, wo beginnen, fiel mir dazu nur Mischmasch ein

Wo fängt es an? Vielleicht dort, wo mir am Wochenende, das ich mit dem Großteil meiner Familie und Freunden am schönen Neufelder See verbringen durfte, eine gravierende Änderung für meinen neuen Roman eingefallen ist. Das ganze Wochenende schon war ich innerlich unrund, so, als ob ich auf etwas wartete (was nicht kam). Dann war sie plötzlich da, die Eingebung und am Liebsten hätte ich mich zu meinem Tablet gesetzt und drauflosgetippt – was nicht ging. Stattdessen konnte ich herrlich schwimmen, abends wurde gegrillt (ein Lob an meinen Exmann Gerhard!), danach gab es noch Aperol Sprizz mit Lagerfeuer (oder umgekehrt) und danach eine herrliche Nacht im Zelt, mit morgendlichem Vogelgesang und Marillenbeschuss von oben. Als dann endlich – am Tag danach – das erhoffte Zeichen kam, dachte ich viel darüber nach, wie gerne ich als Kind Geheimschriften entdeckt und benutzt hatte. Auch sinnierte ich über die geheimen Zeichen , welche verboten Liebende einander senden. Gerne hätte ich auch dies zu Papier (PC) gebracht, doch da waren wir wieder schwimmen und danach kämpften wir gegen Sturm und Regenguss.

Dann kam der Montag und unser Urlaub war endgültig zu Ende und der Alltag lockte und rief und ich – entgegen meiner sonstigen Liebe zum einfachen Leben – wollte ihm nicht folgen und konnte mich so gar nicht in mein Gewohntes fügen. Viel Arbeit war aufgelaufen in drei Wochen Abwesenheit auf unserem Landsitz; vor Allem der Garten verlangte nach Pflege. Als ich endlich abends aufs Sofa sank, war mir mein Roman von ganzem Herzen – wie der Wiener sagt: WURSCHT und ich gab mich der Gemütlichkeit und OUTLANDER hin.

Heute, Dienstag, wollte ich früher aufstehen und MLM schlafen lassen, um im Garten endlich nachzutippen, was seit vier Tagen in mir schwelte. Nix da. Mein Laptop war nicht aufgeladen und als ich mich anschickte, meine Ergüsse aufs Handy zu schreiben, war kein Internet da. Rechnung nicht bezahlt. Aus. Sense. Niente. Nix.

Ok. Der heutige Tag ging damit drauf, heim nach Wien zu fahren, auf den Spuren meiner Kindheit und verlorenen Liebe zu wandeln, die Blumen in der Wohnung meines Sohnes zu gießen und mich mit meinem Reservehandy umzuärgern. Steinzeithandy wäre der passendere Begriff. Das Hochladen von nur einem Bild dauerte bis zu zwei Minuten!  Da ich nur Briefe aufzugeben pflege, habe ich es den ganzen Nachmittag über weiter versucht, bis ich die – immer deutlicher werdende – Vision bekam, wie ich das alte Galaxy Ace gegen eine Betonwand schmettere …

Nun bin ich daheim in Wien, habe es, vermittels geliehener Kreditkarte geschafft, meine Rechnung so rasch zu bezahlen, dass ich sofort wieder freigeschaltet wurde und nun sitze ich da und … *puuuh* … schreibe all das auf, was nicht das ist, was ich ursprünglich Poetisches schreiben wollte, aber in groben Zügen widergibt, was mich fünf Tage lang innerlich umtrieb.

Heute Nacht wird getippt. Wahrscheinlich an der Änderung von I GOT YOU, BABE! – nun,  da ich neue Erkenntnisse habe. Vielleicht aber auch an SORAIL’S ERBEN, denn nach wochenlanger Beschäftigung mit I GOT YOU BABE sehne ich mich inzwischen nun doch ein bisschen sehr nach der Liebe Berylls. Sie wenigstens ist beständig und keinen Schwankungen unterworfen 🙂

Gut. Das wäre heraußen und getippt und in ein paar Stunden, wenn alles schläft und einsam wache nur ICH, werde ich meine Twilight Musik einschalten und in meine Welten eintauchen. In welche? Keine Ahnung. Mein Gefühl wird mich leiten.coupling-2254322_640

So long.

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Ungeschriebenes …

Als ich diesen Montag von Hollabrunn heim nach Wien fuhr, hatte ich in Kopf und Herz die Absicht, ein wenig aus dem Nähkästchen des Autorenlebens zu plaudern.
Doch dann kam das und dies und ich verschob die Idee nach hinten und all die tollen Sätze, die in mir schwirrten,  versiegten, verblassten, wurden uninteressant und das Bedürfnis etwas zu posten verpuffte ins Nichts.
Dann dieser mehr als erfüllte Tag mit Badengehen und Schwimmen (eine meiner zahllosen Leidenschaften) und mit dem ältesten Töchterlein während des Schwimmens über die Serie OUTLANDER zu schwärmen :-)…
… mit meiner lieben Schwiegertochter Tamara und meinem Sohn Benjamin blödeln und draufkommen, dass „Renesmee“ ja nun wirklich total blöde klingt …
… selbst verrückte Vornamen aus den Namen der Mütter basteln, wie Evegrid und Ingelin…(Evelin und Ingrid) *lol*
…heute alles aufholen, was durch den Badetag an Zeit „verloren“ ging – sprich eine to-do-Liste (schreib ich jeden Morgen!) in Bibellänge abarbeiten…
Jetzt aber endlich – um 02.30h – die Belohnung: Bad und Bett.
Der Artikel über Autoren wird schon noch geschrieben werden!
In meinem Kopf ist eine große Tasche, in der ich alle unerledigten Sachen speichere und irgendwann wurlet alles mal nach oben und will ausgedrückt werden.
Zum Schreiben kam Autorin natürlich auch nicht! 😉
Doch ihr Auftrag lautet ja nur ein Kapitel pro Woche zu schaffen
und das hat sie glücklicherweise bereits montags erledigt.
Kommenden Sonntag gibts den Riesenwandertag mit 8/10 Familie.
Die üblichen Verdächtigen sind wieder nicht dabei, aber ich freu mich trotzdem riesig drauf, so viele auf einmal beisammen zu haben.
Wir wandern zum Kaltenleutgebener See und ich hoffe, auch dort Schwimmen zu können. Die Badehose wäre schon eingepackt 🙂
So müssen also Beryll und Josephine ein wenig warten…
Da Sorails Erben der einzige Roman ist, an dem es mich derzeit zu schreiben freut, mach ich mir nur ihretwegen ein wenig Sorgen. Sie fragen bereits, wann es weitergeht!
Gewiss kommen irgendwann wieder trübere Tage, wo sich Autorin wieder mehr in ihre Fantasiewelt zurückzieht, statt – wie jetzt – lieber im prallen heißen Leben zu stehen, bzw. im kühlen Nass zu plantschen.
Ich wünsche meinen Lesern ein schönes Wochenende mit viel Sonne, Freude und Liebe im Herzen und mindestens ebensoviel Spass am Leben, wie ich ihn habe …
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Eure Isabella.

WIR. DIE CULLENS. Kapitel 4 – Meine neue Fanfiktion zu TWILIGHT

DER NEUE LEHRER

Renesmee war erwacht und stand in der Küche unseres Zauberschlösschens.
Mit zart gerötetem Gesicht war sie über den Herd gebeugt und hantierte mit einer Pfanne. Neuerdings gefiel sie sich darin, für sich und Vincent selbständig Essen zuzubereiten. Anfangs waren Esme und Rosalie strikte dagegen gewesen, beraubte Renesmee sie dadurch doch einer ihrer liebsten Aufgaben, doch Edward hatte schnell ein Machtwort gesprochen. Nun aktzeptierte Esme es schweigend, Rosalie aber murrte immer noch.
„Was machst du denn, Liebes?“ fragte ich neugierig, als ich sah, dass meine Tochter nicht – wie üblich – Eier in die Pfanne schlug, sondern stattdessen Toastbrot darin ausbreitete.
„Arme Ritter“, erwiderte Renesmee hochkonzentriert, mir dabei freundlich zulächelnd.
Amüsiert ließ ich mich auf die Küchenbank fallen, stützte meine Hände auf den Tisch und genoss es, ihr beim Arbeiten zusehen zu können.
Renesmee hatte sich bis vor kurzem noch hauptsächlich von ihrer seltsamen Brühe aus (von der Blutbank entwendetem) Menschenblut und Milch ernährt.
Doch seit sie immer erwachsener wurde, hatte sie beschlossen, dieser seltsamen Mischung zu entsagen und sich stattdessen nur noch mit menschlicher Nahrung zufrieden zu geben.
„Ist es schwer für dich?“ fragte ich, obwohl ich die Antwort aus Edwards Spionagetätigkeit im Kopf unserer Tochter und aus den Bildern, die Renesmee mir von sich aus vermittelte, bereits kannte.
„Sehr schwer!“ sagte sie mit einer Ernsthaftigkeit, die mir mein totes Vampirherz abschnürte.
Unsere Tochter war hier, war am Leben, wurde behütet und beschützt und war glücklich und doch stand ihr ein seltsames Leben bevor! Ein Leben als Zwischenwesen.
Da aber der Großteil ihrer Umgebung nun mal aus Menschen bestehen würde, hatte Renesmee bereits jetzt erkannt, dass es sinnvoller war, sich gleich wie ein Mensch zu verhalten.
„Ich bewundere dich“, sagte ich leise.
„Aber Momma. Da gibt es nichts zu bewundern. Du und Papa müsst euch ja auch verstellen und um gute Wesen zu bleiben, verleugnet ihr Menschenblut. Das ist bestimmt auch für euch nicht leicht. Das habe ich jedenfalls gesehen. Wir haben es alle nicht leicht.“
Ich konnte nicht anders. Ich sprang auf und schloss mein Mädchen in die Arme. Sie war so jung, so verdammt jung an Jahren und doch so altklug und weise, wie ein uraltes Wesen. Ihr Haar duftete wundervoll.
Wie damals, als sie noch winzig klein und fast Neugeboren gewesen war, schmiegte sie sich zärtlich ich meine Arme.
„Fällt es Vincent leichter als dir?“
„Nein! Auch er leidet. Aber wir stehen es zusammen durch. Wir haben beschlossen, wenn er älter wird und ich ausgewachsen bin, werden wir mit euch auf die Jagd gehen und dann könnt ihr uns vielleicht ein wenig Blut abgeben. Das soll dann für uns so etwas Besonders sein, wie für die Menschen ein Thanksgiving- Braten!“
Wir lachten, dann entwand Renesmee sich meiner Umarmung.
„Ich muss weitermachen, Momma. Vincent wacht gleich auf. Er ist immer furchtbar hungrig, wenn er erwacht.“
Für eine kurze Sekunde lang durchzuckte mich eisiger Schreck. Renesmee redete wie eine alte Ehefrau über ihren Gatten. War sie so innig mit Vincent verbunden? Dachte sie in dieser Weise über den nur wenig jüngeren Halbvampir?
Und falls ja, wie würde Jacob das finden? Wie würde er damit umgehen?

So, als hätte Renesmee meine Gedanken erraten, wandte sie sich plötzlich um und sagte lachend: „Hey Momma. Ich rede so, als wäre ich Vincents Mama oder seine Frau. Dabei möchte ich wahrscheinlich gar nie Mama werden und Vincents Frau schon gar nicht!“
Ich konnte mir nicht verkneifen „Warum?“ zu fragen. Renesmees Gedankenwelt war in vielen Punkten so anders als meine oder Edwards. Es war immer interessant, sie, die nicht gerne sprach, dazu zu bewegen, aus ihrem Inneren zu erzählen.
„Weißt du, ich denke viel nach…“
„Ich weiß“, flüsterte ich tonlos. „Aber ist das auch gut?“
„Momma, ich bin so, wie ich bin!“ Renesmee zuckte lässig mit den Schultern. Hörte ich da so etwas wie den Hauch frühpubertierender Aufsässigkeit in der Stimme meiner Tochter?
„Ich habe es mir nicht ausgesucht, so zu sein und zwischen den Welten zu leben. Ihr, du und Papa, Jacob, Rosalie und Oma und Opa Cullen. Ihr alle wart einmal ganz normale Menschen und ohne wenn und aber. Erst später wurdet ihr zu Vampiren und jetzt seid ihr richtige Vampire, ohne wenn und aber. Doch ich war nie das Eine oder das Andere und werde es auch niemals werden. Vincent steht mir so nahe wie ein kleiner Bruder. Ich sorge gerne für ihn. Wenn wir älter sind, werden wir viele Dinge zusammen machen, weil wir eins sind. Zwei von derselben Art, auch wenn wir andere Eltern hatten. Aber es ist nicht wie mit Jacob…“
Renesmees Stimme bekam einen samtenen Klang. Erstaunt hob ich den Blick. Renesmee schaute zum Fenster hinaus und auf den Wald. Ihr Gesicht entspannte sich, wurde weicher und fraulicher – vollkommen ungewöhnlich für ein Kind ihres Alters.
„Jacob ist Meiner. Ganz und gar und wenn ich an die Zukunft denke und an mein Leben, wenn ich erwachsen bin, dann sehe ich nur ihn und mich. Wir sind auch gleich, auf gewisse Weise, aber doch anders.“
Versonnen strich sie sich durchs Haar und vergaß darüber, das Feuer unter der Pfanne zu entfachen.
„Ich liebe ihn!“ sagte sie abschließend. Ihre Worte klangen so schlicht und waren doch voll unbeirrbarer Bestimmtheit. Plötzlich wusste ich, an wen sie mich erinnerte.
Das war ICH. Ich, nachdem ich erkannt hatte, dass es nur Edward für mich geben konnte. Ihn oder keinen.
Und da wusste ich, dass Vincent Renessmees Jacob sein würde, während Jacob ihr Edward war!
„Ich verstehe dich!“ wisperte ich in ihr Ohr. „Ich weiß!“ Renesmee lächelte ein stilles Lächeln, dann legte sie ihre Hand an meine Wange und ich konnte spüren und sehen, wie innig sie mit Jacob verbunden war.
Schweigend hielten wir einander im Arm; Vincents Frühstück musste warten…

Edward war drüben bei seinen Eltern. Es gab irgendwelche Unstimmigkeiten in irgendeiner Bilanz der Firma. So genau wusste ich nicht, worum es ging, wollte mich ehrlich gesagt, auch nicht damit auseinandersetzen. Auch wenn mein Name auf dem Papier stand und ich ab und an wirklich energisch mithalf, so war es doch in erster Linie Alices Firma und wir alle anderen waren nur wieder ihre Untergebenen.
Langsam – selbst für einen Menschen langsam – schlenderte ich von unserem Häuschen hinüber zum Haus der Cullens.
Renesmee und Victor hatte ich lachend und plaudernd bei Jacob zurückgelassen, der heute frei hatte und mit den Kindern etwas unternehmen wollte.

In Gedanken beschäftigte ich mich immer noch mit dem, was Edward mir über Jessica erzählt hatte.
Immer schon hatte ich – unbewusst – gespürt, dass Jessica mir gegenüber feindselig war und mir nie verziehen hatte, dass ich und nicht sie Edward bekommen hatte.
Aber dass Jessicas Hass und Wut so tief sein würden, damit hatte ich nicht gerechnet. Während sie scheinbar unserem Gespräch gefolgt war, hatte sie innerlich ihren boshaftesten Gedanken und Gefühlen über mich freien Lauf lassen.
Diese reichten von der Tatsache, dass sie mir wünschte, ich möge bei einem Autounfall verunstaltet werden und dass mich Edward deshalb verlassen möge, bis zu dem frommen Wunsch, er möge mir auch noch meine Tochter wegnehmen. Edward sagte, er hätte sich selten so sehr für die Gedanken eines Menschen fremdgeschämt, wie bei Jessica.
Trotzdem musste ich lächeln, wenn ich an ihr dummes Gesicht dachte, als sie mich in der Cafeteria zum ersten Mal angesehen hatte.
Ich war Jessica nicht ernsthaft böse wegen ihrer schlimmen Gedanken. Bestimmt war es nicht gerade angenehm für sie gewesen, dabei zusehen zu müssen, wie scheinbar leicht es einem mittelmäßig hübschen Mädchen aus Arizona gelang, das Herz des bisher für alle unerreichbaren Schönlings zu gewinnen. In Jessicas Vorstellung lebte ich nun in Saus und Braus, hatte ein Kind und war noch dazu schöner als schön! Wie hätte ein kleines neidvolles Herz, wie das von Jessica auch nicht durchdrehen sollen, bei so viel Glück, das mir beschieden zu sein schien? Für mich jedenfalls war sie Legende und ich verspürte plötzlich keine Lust mehr, weiter über sie nachzugrübeln.

Ich zwang mich, an etwas Anderes zu denken, was viel dringlicher war: Mom.
Nur noch ein paar Tage, dann würden wir sie vom Flughafen abholen und doch wußten wir immer noch nicht genau, wie wir es anstellen sollten, peinliche Fragen Renesmee und unser Leben betreffend abzuwehren…
Rosalie und Emmett hatten vorgeschlagen, mit Vincent wegzufahren. Ein Vorschlag, der nicht einmal so dumm war und deshalb unser aller Zustimmung erhielt.
Sie würden zu den Denalis rauf fahren und dort die Zeit absitzen, bis Renee uns wieder verlassen wollte. Somit waren wir zumindest einer peinlichen Aufgabe enthoben. Bestimmt würde Renee bedauern, dass sie den „kleinen“ Vincent nicht kennen lernen konnte, aber es war besser so.
Trotzdem sah ich unserem Treffen mit recht gemischten Gefühlen entgegen.

Das letzte Stück lief ich, denn plötzlich verspürte ich große Lust, mich in Edwards Arme zu werfen. Mit nur wenigen Sprüngen gelangte ich zum Tor, stürmte die Stiegen hoch und ins Wohnzimmer. Dort standen alle Cullens, bis auf Emmett und in ihrer Mitte befand sich ein fremder Mann mit langer blonder Mähne. Er war ein Vampir und ich wusste sofort, um wen es sich handelte, auch wenn ich ihn noch nie zuvor gesehen hatte.
Es war William Vargas, der Hauslehrer, den wir für den Unterricht an Renesmee und Victor engagiert hatten. Der blonde Mann war mit dem schottischen Circel eng befreundet. Von ihnen hatte er erfahren, dass wir über einen tüchtigen und möglichst vampirischen Hauslehrer spekulierten.
Wie das Schicksal so spielte, war William vor seiner Verwandlung Rektor einer berühmten schottischen Schule gewesen. Der Umstand, dass William so lebte wie wir – enthaltsam und vegetarisch – erleichterte uns die Entscheidung.
„Und das ist also die Mutter von Renesmee?“ fragte er begeistert, als er mich kommen sah und streckte mir strahlend seine Hand entgegen.
„Ja!“ sagte Edward rasch und trat neben mich. „Das ist meine Frau Bella!“

 

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Die gesamte Geschichte lesen?

Oder doch lieber meine erste Fanfiktion zu Twilight unter dem Titel JENSEITS VON FORKS?

Alles zu finden unter     http://www.fanfiktion.de

Worauf ich fünf Bände lang hinfieberte … Josephine ist endlich Vampir!

Mein neues Leben

 

Irgendwann funktionierten auch meine Beine wieder. Eines Morgens versuchte ich, wie üblich, selbständig aufzustehen und konnte zu meiner großen Freude unversehens mein Gewicht tragen.

Nein, das ist falsch formuliert! Es sollte heißen, ich knickte nicht – wie bisher – ein. Ein Gewicht im herkömmlichen Sinn spürte ich aber eigentlich überhaupt nicht.

Alles an mir fühlte sich so leicht an, als wäre ich bloß eine Feder, aber eine, in deren Mitte sich ein elastisches Band befand, das die Feder zitternd vor Biegsamkeit machte; sensibel für die subtilsten Bewegungen.

Verzückt tänzelte ich durch den Raum. Durch die rot verglasten Dachfenster fiel verpixeltes Licht und zeichnete blutige Punkte auf den spiegelnden Steinboden.

 

Sha-hi war noch nicht anwesend. Also konnte ich ungestört durch den Raum schweben, denn wie ein Schweben kam es mir vor, wie ich mich bewegte.

Ich drehte die Arme nach links und rechts, hob sie hoch und streckte sie dem Licht entgegen.

Meine schneeweiße Haut kontrastierte auffallend mit den roten Punkten, die wie Blutspritzer wirkten.

Nein! Schwor ich mir und versuchte mich abzulenken. Es war höllisch schwer, denn meine Gedanken drehten sich wie eine Spirale hin zu einem imaginären Endpunkt, der wiederum nur Blut zu bedeuteten schien.

 

Um mich von der unseligen Fixierung zu lösen, setzte ich zu einem Luftsprung an. Augenblicklich erschrak ich darüber, wie schnell ich hoch startete und um ein Haar mit dem Kopf an die Decke gestoßen wäre. Jede Bewegung, die ich mit meinem neuen Körper vollführte, war fast ebenso schnell wie der Gedanke, der ihr zugrunde gelegen hatte.

Mit gazellenartigen Sprüngen durchmaß ich den Raum von einer Seite zur anderen. Fast flog ich, schwebte, fühlte mich wie Graf Dracula in seiner prächtigen transsilvanischen Burg.

Vampir, Vampir, V a m p i r  !!! schallte es durch meinen Kopf. Zugleich mit dem Gedanken überkam mich ein ohnmächtiges Machtgefühl – anders lässt es sich nicht beschreiben, was mich da überwältigte. Mir war, als wäre ich Anfang und Ende der gesamten Schöpfung. Unbezwingbar, unsterblich und unerschütterlich gefestigt in dem Wissen, zu sein,  was ich war.

Einem unerklärlichen Impuls folgend, hob ich meine Hand und hielt sie an meinen Mund. Dann schlug ich meine neuen scharfen Zähne in mein eigenes so kühles Fleisch. Wo ich zubiss, bildeten sich Verletzungsmale. Dunkelrotes, fast schwarzes Blut quoll daraus hervor.

Eine kleine Weile schaute ich diesem Quellen zu, verwundert über die zähe Blutkonsistenz. Ich leckte mich ab, nur um gleich wieder daneben in meine eigene Hand zu beißen. Irgendwie wusste ich nicht, was ich da tat und doch ahnte ich tief drinnen, was der Beweggrund für dieses so unlogische Verhalten war.

Noch während meine Wunden sich wieder schlossen – nur wenige Sekunden waren seither vergangen – begann ich fieberhaft zu überlegen, wohin ich mich zum Jagen wenden sollte. Denn das war es, was ich brauchte und weshalb ich mich lächerlicherweise selbst verstümmelte: ich wollte – nein – musste  testen, wie es sich anfühlte die Zähne hemmungslos in Fleisch zu bohren. Aber ich wollte auch wissen, wie es war, von meinen eigenen Vampirzähnen gebissen zu werden.

Ich musste es einfach wissen, ehe ich zu meiner ersten Jagd geführt werden würde…

 

Plötzlich drangen Geräusche an mein Ohr. Instinktiv legte ich den Kopf so schief wie ein wachsamer Hund.

Es waren Stimmen und doch auch wieder keine Stimmen. Beryll sprach mit irgendjemandem. Schon erwartete ich, ihn bei der Türe hereinkommen zu sehen, um mich in seine Arme stürzen zu können. Doch seine Stimme blieb gleich laut, kam nicht näher und niemand antwortete ihr.

Was? Was redet er? Und mit wem?

Bis ich unvermittelt mit siedendheißer Freude feststellte, dass es nicht Berylls Stimme war, die ich hörte, sondern sein Innerstes: Berylls Gedanken.

Er sang.

Beryll sang ein Liebeslied und er sang es für mich. Welche Sprache singt er? fragte ich mich und vermochte es doch nicht herauszufinden. Bis ich begriff, dass es keine Sprache war. Angespannt und hochkonzentriert ließ ich mich auf mein Bett zurückfallen, schloss die Augen und lauschte.

Das Bild eines Sees tat sich vor meinem inneren Telepathenorgan auf – so bildlich, als stünde ich davor. Ein Schiff, weißgetüncht, wurde von einem Mann über das Wasser gerudert. Deutlich und wie in schwarz-weiß zeichneten sich die Umrisse des Mannes vor meinem inneren Auge ab. Er hob eine Hand und winkte in die Richtung, auf die sich sein Boot zubewegte. Da sah ich auch sie: die Frau. Jede einzelne Falte ihres Gewandes konnte ich erkennen. Das Kleid war indigoblau, mit goldenen Borten. Glückstrahlend lief die Frau zum Ufer eines weißen Strandes, um ihren Schiffer zu empfangen.

Doch nicht nur dieses Bild war da…

Ich hörte auch den Gesang, der untrennbar mit dem Geschehen verwoben zu sein schien.

Da war aber noch etwas.

Was war es? Berylls Atem? Die Präsenz seines Herzens, das zwar nicht wie ein menschliches schlug, aber doch deutlich für mich zu erahnen war?

Nein, es waren weder Atem noch Herzschlag. Es war … war … reines Gefühl. Es war Wärme, es war Freude, es war die Umschlingung eines Wesens für das Andere. Es war Liebe.

Der Gesang. Das Gefühl. Die Bilder. Die Gedanken. Alles war ein einziges Ganzes, nur auf verschiedene Tonspuren gelegt.

 

Telepathie!

Überwältigt von der Wucht, mit der diese geballte Ladung unsichtbarer Energie in meinen Kopf drang, sprang ich auf. Rasch hüllte ich mich in einen der bereitliegenden Umhänge und flog hinaus zur Türe und direkt hinein in die weit geöffneten Arme meines Geliebten.

„Ich habe dich gehört!“ keuchte ich aufgeregt, obwohl ich keine Spur außer Atem war. “Ich habe dich gehört, nein, gesehen, nein gespürt. Es war alles auf einmal da und doch … deutlich voneinander getrennt, so dass ich alles gemeinsam und doch auch wieder einzeln wahrnehmen konnte! Es ist wunderbar!“

Mit selbstzufriedenem Lächeln umarmte mich der Geliebte. „Ich sagte dir schon damals, als du zum ersten Mal in unser Haus kamst, dass es wunderbar werden würde, sobald du verwandelt bist!“

„Das ist wahr. Das hast du gesagt!“ flüsterte ich heiser. „Aber es ist noch faszinierender als ich es mir vorgestellt hatte!“

Beryll hielt mich fest und wartete. Es dauerte eine ziemliche Weile, ehe ich begreifen konnte, was mir soeben passierte.

„Ich bin Telepathin!“ hauchte ich andächtig. „Jetzt bin ich eine richtige Vampirin!“

Nach Zustimmung heischend sah ich zu Beryll hoch. Doch statt des erhofften Nickens, zeigte sich in Berylls Mundwinkel bloß ein abfälliges, aber durchaus liebevolles Lächeln.

Als er meine Enttäuschung spürte, vergrub er schnell seine Lippen in meinem Haar. Schon wollte ich aufbegehren und eine Antwort erzwingen, als diese sich hinter Berylls schöner Stirne von selbst formte. Ich brauchte sie mir nur aus seinen Gedanken herauszupflücken.

„Dir fehlt immer noch die wichtigste Erfahrung, um als Vampir gelten zu können!“

„Ich weiß!“ erwiderte ich zerknirscht.

Hatte ich laut gesprochen oder es nur gedacht?

Ich fühlte mich verwirrt.

Denn nun waren nicht mehr nur meine eigenen, sondern auch Berylls Gedanken in meinem Kopf und ich musste erst lernen, seine von den meinen zu trennen.

Ich wusste bloß, dass Berylls Gedanken klarer als die meinen waren Und dass meine bockiger waren, hartnäckig und fordernd.

„Ja, so bist du eben!“ sagte Berylls Stimme in meinem Kopf. „Von wegen devot.“ Er grinste und hob mich hoch. Der Umhang glitt von meinem Körper, so dass Berylls Hände direkt auf meiner Haut zu liegen kamen.

Er schaute mir tief in die Augen; seine waren schwarz vor Begierde.

Und dann dachte er ein Wort, das alles änderte.

BLUT …

Langsam ließ er es in meine Gedanken einfließen, als wäre es eine Infusion, die in einen kranken Körper geleitet wird…

Kaum hatte ich es aufgenommen, kam der nächste Tropfen. BLUT … sagte es abermals in meinem Kopf. BLUT, BLUT, BLUT ! Immer schneller – wie Stromstösse  – glitten die Worte, die immer nur Dasselbe bedeuteten in mich hinein. Sie peitschten mich hoch, sie rührten mich auf … sie weckten mich.

„Bist du bereit?“ fragte Beryll verhalten.

Ja! … schrie es in mir und laut brüllte ich es heraus – ohne Rücksicht auf Andere, die uns hören konnten.

„Ja, ja, ja! Lass uns jagen gehen!“

Der Umhang glitt von meinem Körper, als Beryll mich wieder auf den Boden stellte.

Erst jetzt sah ich, dass auch er einen ähnlichen Umhang trug. Blassblau, wie der meine, nur mit Edelsteinen bestickt.

Mit einer einzigen Bewegung streifte Beryll die Toga von seinen Schulten. Dann stand er vor mir. Nackt. Männlich. Göttlich.

Er nickte mir zu, ergriff meine Hand und zog mich mit sich. Plötzlich öffnete sich vor uns eine Türe, die mir bisher niemals aufgefallen.

In einem Tempo, das einen Gepard zum Schämen gebracht hätte stürmten wir Arm in Arm hinaus ins Freie. Nur schemenhaft erkannte ich im Vorbeiflitzen, meine schöne Betreuerin Sha-hi.

Sie lächelte…

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Doppelt moppeln

Tja, man sollte niemals nie sagen. Das merk ich mir. Diesmal. Oder aber vielleicht auch nicht. Jedenfalls hätte ich nie gedacht, dass ich einmal an zwei Romanen gleichzeitig schreiben könnte, mir das auch noch gefällt  u n d  keinerlei Mühe bereitet, von einer Welt in die andere zu switchen.

Nachdem ich YURIVI – DAS NORNENSPIEL weit hinter mir gelassen habe und sehr glücklich darüber bin, denn er lag mir nicht sonderlich, war ich einige Zeit unsicher, ob ich zuerst mit meiner Fanfiktion weitermachen oder doch eher meine eigene Vampirsaga fortsetzen sollte.

Nun: ich mache beides gleichzeitig. Ein völlig neues Lebensgefühl, aber sehr spannend und gibt mir die Gelegenheit, mich je nach Stimmungslage in der einen (schlichten) oder der anderen (komplizierteren) Welt austoben zu können.

Bereits drei Kapitel von WIR. DIE CULLENS – Fanfiktion zu TWILIGHT geschrieben!  And here it is…

 

FAMILIENZUWACHS – EINMAL ANDERS

„Und was genau war es, das du mir sagen wolltest, Dad?“

Da leider keine Erleuchtung über uns beide kommen wollte, konnten wir ebenso gut über etwas Anderes sprechen.

Charly erhob sich und trat zur Abwasch, wo er geschäftig immer und immer wieder über einen Teller wischte, den ich beim Hereinkommen in der Spüle hatte stehen sehen.

Es musste etwas ganz Spezielles sein, was er mir zu sagen hatte.

Mein Vampirgehirn lief auf Hochtouren und spulte – nach Terminatorart – sämtliche Szenarien ab, die meinen Vater aus der Bahn werfen könnten.

Außer beruflicher Versetzung (sehr unwahrscheinlich), Trennung von Sue (noch unwahrscheinlicher), unheilbarer Krankheit (in dem Falle würde ich meinen Vater sofort verwandeln, notfalls auch gegen seinen Willen) fiel mir nichts ein.

Als Charly sich aber plötzlich umwandte, mit einem Gesichtsausdruck, wie ich ihn seit meiner Kindheit, als wir noch bei ihm wohnten, nicht mehr gesehen hatte, kam mir eine weitere Möglichkeit in den Sinn..

Ungeheurlich dies zu denken, aber eigentlich die natürlichste Sache der Welt.

Immerhin war mein Vater noch nicht steinalt und Sue um etliches jünger… Charly sagte immer noch kein Wort, sondern grinste verlegen.

„Du wirst Vater!“ sagte ich ihm auf den Kopf zu. Vor Schreck über meine Direktheit entglitt ihm der Teller und wäre glatt auf dem Boden zerschellt, hätte ich ihn nicht blitzschnell aufgefangen.

„Woher weißt du …?“ stotterte er verblüfft.

„Ich weiß es nicht, Dad, ich habe nur drauf los geraten“, gestand ich grinsend. „Liege ich etwa richtig?“

Charly wirkte irgendwie beschämt. „Ich weiß: in meinem und Sues Alter! Aber weißt du, wir rechneten selbst nicht mehr damit; es hat uns überrumpelt. Was sagst du dazu?“

Seine Stimme klang unsicher, so als würde er mich um Erlaubnis bitten, noch einmal Vater werden zu dürfen.

„Dad!“ flüsterte ich und trat vorsichtig näher an ihn heran. Sein Blut reizte mich lange schon nicht mehr, aber ich hatte Angst, Charly könne sich immer noch vor meinem Vampirkörper fürchten. Daher behandelte ich ihn meist besonders vorsichtig, wenn ich ihn umarmen wollte. Meine Sorge war völlig unbegründet. Dankbar und für meinen steifen Vater ziemlich ungewöhnlich, ließ er sich in meine Arme fallen. „Ich freue mich“, raunte ich ihm ins Ohr. „Ich freue mich für dich und überhaupt!“

Stumm hielten wir einander fest, bis Charly erleichtert seufzte und mich losließ.

„Gut, das wäre also ausgestanden!“ grinste er und setzte sich zurück auf seinen Küchenstuhl. „Weißt du, ich hatte Angst, du könntest mich dafür verachten oder eifersüchtig werden, wenn ich …“

„Aber Dad!“ lachte ich. „Du musstest ertragen, dass ich dich anlog und ein Monster geworden bin. Was ist dagegen ein süßes kleines Brüderchen?“

„Brüderchen? Woher willst du das wissen?“

„Nun ja, ich habe mir eine Zeitlang einen kleinen Bruder gewünscht. Es wäre schön, ihn jetzt zu bekommen. Besser spät als nie!“

Charly lachte. „Was wird Renee erst dazu sagen?“ „Wirst du es ihr erzählen, wenn sie kommt?“ Nachdenklich wiegte Charly seinen Kopf. „Ich weiß nicht. Das muss ich erst mit Sue besprechen. Auf jeden Fall wäre es eine gute Möglichkeit, sie von dir abzulenken!“

Das stimmte.

Renee ließ sich leicht ablenken. Der Gedanke, dass ihr Exmann noch einmal Vater werden würde, konnte ihr Interesse bestimmt fesseln.

„Was hältst du davon, wenn wir überhaupt ein Programm für sie zusammenstellen, dass ihr kaum Zeit zum Nachdenken lässt?“ fragte ich, nicht selbst ganz von meiner Idee überzeugt.

„Es könnte klappen, muss aber nicht!“ knurrte Charly. „Du kennst deine Mutter ja!“

„Ja!“ lachte ich.

Aber der Großteil meines Kopfes beschäftigte sich mit dem Gedanken, dass ich ein Geschwister haben würde.

Plötzlich hatte ich es sehr eilig, nach Hause und zu Edward zu kommen.

Ich musste es ihm sofort erzählen.

„Ich muss jetzt fort, Dad!“ sagte ich hastig und sprang hoch.

Der Sessel fiel polternd zu Boden.

„Wie ich schon sagte: du musst intensiver üben, dich wie ein normaler Mensch zu benehmen. Also dann verschwinde und erzähle es deinem Edward.“

Die Stimme Charlys klang nicht abfällig, wie in der Anfangszeit unserer Liebe, denn inzwischen hegte Charly großen Respekt vor Edward.

Es war wohl eher Charlys uneingestandener Wunsch, es Edward wissen zu lassen.

„Mach ich. Ich rufe dich morgen an und erzähle dir dann alle Neuigkeiten von meinen Schulfreunden. Versprochen. Ciao Dad!“ rief ich eilig und hastete zum Auto.

 

 

Am Liebsten wäre ich ja gelaufen, nur um es Edward noch brühwarmer erzählen zu können. Ich wurde eine Schwester, nun ja, Halbschwester, aber egal. Ob Sue glücklich war? Ich war jedenfalls glücklich…und wie!

Das war einmal eine Überraschung der anderen Art. Ein richtiges stinknormales Menschenbaby würde in unserer Familie geboren werden!

 

Ich stieg aufs Gaspedal. Wie von einer Tarantel gestochen jagte mein Auto über die Straße. Gerne wäre ich noch schneller gefahren, doch das konnte ich mir – als Tochter des Polizeichiefs – nicht leisten. Ich seufzte. Es war nicht immer leicht, als Vampir inmitten von Menschen zu leben. Es erforderte ein großes Maß an Selbstdisziplin und öfter als angenehm die Verleugnung der eigenen Fähigkeiten.

 

Ich stoppte, sprang aus dem Auto, rannte ins Haus und prallte direkt mit Edward zusammen, der mir entgegendrängte.

„Wo wolltest du hin?“ fragte ich verwundert.

„Dir entgegen!“ erwiderte er verblüfft. „Ich hörte dich kommen. Besser ausgedrückt: ich hörte dich anrasen. Was ist passiert?“

Besorgt legte Edward mir seinen Arm um die Schultern und zog mich mit sich auf die Gartenbank vor unserem Zauberhäuschen.

„Ich bekomme einen Bruder!“ stieß ich aufgeregt hervor. „Sue und Charly werden Eltern!“

…und dann sprudelte alles aus mir hervor, meine Gedanken, meine Gefühle, meine Ängste.

Geduldig hörte Edward mir zu. Als ich fertig war, sagte er nur: „Schön für deinen Vater, oder?“

Er schaute mich ernst an.

„Was ist?“ fragte ich und kniff die Augenbrauen misstrauisch zusammen.

„Es ist für deinen Vater sicher schön, noch einmal ein Kind, vielleicht einen Sohn haben zu dürfen und dazu noch eine Frau, die zu ihm passt!“

„Aber…?“ fragte ich aufgebracht. „Deine Worte klingen, als gäbe es noch ein Aber!“

„Es gibt ein Aber. Spinne den Gedanken einmal weiter. Charly wird Vater, das Kind wird groß und größer, Charly wird alt …!“

Erschrocken schlug ich mir mit der Hand an die Stirne.

„Du hast Recht, Edward! Mir bleibt kein Zeitpunkt, zu dem ich meinem Vater eine Verwandlung vorschlagen könnte!“

Ich ließ die Schultern hängen. Das hatte ich nicht bedacht. Irgendwie würde ich meinen Vater durch das neue Baby doch verlieren.

Wie erwartet hielt Edward mit seiner Meinung nicht hinterm Berg. „Ich finde es richtig!“ trumpfte er auf. „Du weißt, was ich über das Vampirsein denke. Daran hat sich nichts geändert. Jeder, dem das erspart bleibt ist besser dran. Gönne ihm ein langes, gesundes und erfülltes Leben als Mensch. Das sollte reichen!“

„Ja, aber …!“ wollte ich Edward widersprechen, doch ich kam nicht mehr dazu. Edward zog kurzerhand mein Gesicht näher an das seine und verschloss meinen Mund mit einem Kuss.

Als er mich losließ, hatte auch er eine Neuigkeit für mich.

„Wenn du ein braves Mädchen bist und aufhörst, dir den Kopf über Charlys Verwandlung zu zerbrechen, erzähle ich dir, was Jessica tatsächlich über dich dachte!“

„Wieso weißt du das,  Edward? Du hast mir doch nicht etwa nachspioniert?“

„Dir nicht, Bella. Warum sollte ich? Aber es wichtig für unsere Familie zu wissen, was die Leute so über uns reden und denken.“

Ich grinste. Insgeheim hatte ich mir ja gewünscht, Edward möge mit dabei sein.

„Ich hatte meinen Wagen genau gegenüber der Cafeteria abgestellt. Erst als ich hörte, dass sie sich verabschieden wollten, bin ich davon gefahren.“

„Na gut. Ich gelobe, nicht an die Verwandlung meines Dads zu denken. Erzählst du es mir jetzt?“

„Klar, Missis Cullen. Ich erzähle es dir. Gedanken für Gedanken – allerdings erst ein wenig später.“

Entschlossen hob mich Edward hoch und trug mich ins Schlafzimmer.

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